Wer kennt das nicht? Nach einer großen Anstrengung, nach einer Zeit, in der das Erreichen eines Zieles im Mittelpunkt es eignen Handelns stand, folgt oft auf die Freude, eine Phase der Unsicherheit. Wunderbar ist es, wenn es gelingt, die Freude, die Fülle des Augenblickes, eine Weile zu genießen, aber irgendwann taucht unweigerlich die Frage auf: Was kommt jetzt? Alles ist scheinbar erreicht und ein neuer Plan muss erst entwickelt werden.
In der Freimaurerei ist der Weg durch die drei Grade, Lehrling, Geselle und Meister, klar strukturiert. Es gibt ein Ziel, eine Progression, ständige neue Eindrücke und Rituale. Ist der Meistergrad erreicht, fällt dieser äußere Entwicklungsdruck weg. Nun beginnt die Zeit, sich selbst immer wieder neue Ziele zu setzen und die eigentliche Arbeit mit all unseren Werkzeugen zu beginnen.
Dieser Switch von der Lernenden zur Gestalterin geling nicht automatisch. Wer Freimaurerei vor allem als persönliches Entwicklungs- und Selbsterfahrungstool („Arbeit am rauen Stein“) begreift, gerät nach dem Meistergrad schnell in ein Vakuum, wenn der Blickwinkel nicht aktiv erweitert wird. Der Fokus muss sich vom Aufnehmen, der Selbstbetrachtung, zum Geben, zum Dienst an der Gemeinschaft und der Weitergabe verschieben. Schafft eine Schwester diesen Perspektivwechsel nicht, wirkt die Arbeit plötzlich repetitiv.
Vielleicht ist dies ein Grund, warum auch wir in der Freimaurerei gelegentlich eine Situation beobachten müssen die in der Psychologie das Gipfel-Phänomen genannt wird. Einige Schwestern und Brüder verlieren wenige Jahre nach der Erhebung die Freude an der Begegnung und damit die Bindung an ihre Loge.

