Der Kompromiss – viel besser als sein Ruf
Wer denkt schon an den Begriff Kompromiss beim Stichwort Freimaurerei?
Wir bemühen uns in der Loge, das Trennende zu vermeiden und das Gemeinsame zu stärken. So könnte man im ersten Moment glauben, dass der Kompromiss in der Loge gar nicht vorkommt.
Aber das täuscht: Wie überall, wo Menschen aus unterschiedlichen Zusammenhängen und mit verschiedenen Bedürfnissen zusammen kommen, ist auch bei uns in der Freimaurerei der Kompromiss Grundlage von demokratischen Entscheidungen und Grundlage für gemeinsames Handeln.
Ob in der Familie oder in der Politik: Kompromisse sind unumgänglich. Gerade auch für den Erhalt der Demokratie ist es notwendig, immer wieder Kompromisse einzugehen. Ohne sie geht es nicht.
Im Kompromiss geht es nicht darum, dass eine Seite „gewinnt“ oder „verliert“, sondern um das gemeinsame Vertrauen in ein drittes, verbindendes Element. Es ist ein Akt der bewussten Selbstbegrenzung aus freiem Willen. Ein Kompromiss ist in diesem Sinne kein Verlust von Substanz, sondern das bewusste Glätten von Extremen, damit Gemeinschaft tragfähig wird.
In der Öffentlichkeit erleben wir oft, dass sich Menschen hinter starren Positionen verbarrikadieren. Auf dieser Ebene der Positionen gibt es mathematisch oft keine Schnittmengen mehr. Durch das systematische Fragen nach dem Warum, nach den dahinterliegenden Interessen und Bedürfnissen, können wir uns aber dennoch annähern und wieder ins Gespräch kommen. Dafür nehmen wir uns in den Logen ganz bewusst Zeit und lassen die Überlegung zu, dass vielleicht die Andere tatsächlich über das bessere Argument verfügt. Wenn der Druck schwindet, Recht behalten zu müssen, öffnet sich der Raum für das sachliche Abwägen.
In der Juli-Folge „Aus der Bauhütte“ sprechen Antje und Barbara nicht nur über ethisch-soziologische Modelle zur Kompromiss-Bildung, sondern entdecken auch ganz konkret die Aufforderung zum Kompromiss in der freimaurerischen Symbolik.

